Retikulation

Dem Studieren und Weiterverfolgen dieser Technik liegt meine Faszination für Strukturen zu Grunde.

Retikulieren basiert auf einem hohen Kupfergehalt des Metalls und wird deshalb mit 800 oder 835 Silber hergestellt. Das Resultat ist abhängig von vielen Faktoren: Grösse, Dicke und Oberflächenbearbeitung des Metallstückes, Unterlage bei Vorbereitungserhitzung, Laugenart, Beschaffenheit und Oberfläche der Retikulationskohle, Lötkolben, Art des Lötgases, Flammenrichtung, Tagesform. Dem entsprechend ist nur ein kleiner Teil des Resultates planbar und viel dem Zufall überlassen. Diese Tatsache macht für mich die Arbeit gleichzeitig faszinierend und ab und zu frustrierend. Jedenfalls ist jedes Stück ganz individuell.

In der Vorbereitung entsteht durch 5-6× wiederholtes Erhitzen und Absäuren eine Feinsilberoberfläche, während der Metallkern nach wie vor kupferhaltig ist.  Durch den niedrigeren Schmelzpunkt des Kernes verformt sich dieser beim Retikulieren also, während die Oberfläche nicht schmilzt und die Spannung hält (=Verwerfungen anstatt Klumpen). Retikulation ist eine Technik, die viel Herstellungszeit braucht. Ebenso ist es eine Technik, die viel Erfahrung und Übung benötigt, denn nur der kleinste Teil ist verstehbar, der Grösste aber nur erfahrbar.